Lesbarkeit

Sechs einfache Tipps für besseres Schreiben

Bessere Lesbarkeit 6 einfache Tipps für besseres Schreiben

Motivieren Sie Leser zum Weiterlesen

Im März 2017 beschloss Paul Romer, dass es an der Zeit war, eine Revolution zu starten.

Nein, der Chefökonom der Weltbank schloss sich nicht der Occupy-Bewegung an. Er forderte einfach nur besser geschriebene Berichte von seiner Forschungsabteilung. In einem internen Memo kündigte er an, keine Berichte mehr für die Veröffentlichung freizugeben, wenn das Wort „und“ mehr als 2,6 Prozent des Textes ausmacht. Paul Romer erklärte, dass diese Regel – neben weiteren Maßnahmen – die „Bedeutung des Fokus“ stärker in den Blickwinkel der Autoren rücken sollte.

Was auf den ersten Blick wie eine amüsante Anekdote wirkt, ist tatsächlich äußerst relevant. Wie Paul Romer müssen auch wir Tag für Tag Texte durchpflügen, die wir bestenfalls ansatzweise verstehen. Und dabei entwickeln wir Bewältigungsstrategien, die alles andere als ideal sind. Wer liest schon bei einem Softwareupdate ein 92-seitiges Dokument mit den Lizenzbedingungen? Die meisten geben wohl einfach auf und klicken auf die „Akzeptieren“-Schaltfläche. Trotzdem sollte man natürlich wissen, welche Bedingungen geändert wurden. Wenn wir diese wichtigen Informationen doch nur durch schnelles Durchlesen erfahren könnten ...

Und genau das sollte man beim Verfassen von Texten im Hinterkopf behalten – ob man nun einen Essay, Rechtstexte oder eine Anleitung zum Zeltaufbau veröffentlicht. Ihre Zielgruppe muss die übermittelte Botschaft mit minimalem Aufwand verstehen können.

Der Schlüssel dazu ist das Konzept der Lesbarkeit. Forscher haben verschiedene Systeme entwickelt, die eine Vorstellung davon geben, auf welchem Niveau sich ein Leser befinden muss, um Ihren Text zu verstehen. Im Internet finden sich viele Tools, die diese Methoden nutzen, leider zumeist für englischsprachige Texte. Die linguistischen Formeln, auf denen sie basieren, können nicht nahtlos auf andere Sprachen übertragen werden, da gewöhnlich die Anzahl der Zeichen oder Silben in einem Wort gezählt wird.

Natürlich schreibt man nicht immer für eine Zielgruppe mit dem Bildungsniveau von Jugendlichen. Trotzdem lohnt es sich, einen Text im Hinblick auf die Lesbarkeit zu überarbeiten. Meistens wird ein Text dadurch aussagekräftiger, klarer und präziser. Hier sind sechs Tipps für bessere Lesbarkeit:

1 – Kürzer, schneller, besser, prägnanter

Kurze Sätze sind Trumpf. „Veni, vidi, vici“ (ich kam, sah und siegte) – damit fasste Cäsar eine ganze Geschichte in nur drei Worten zusammen. Ein Satz sollte als eine Einheit behandelt werden, die jeweils eine einzige Idee enthält. Je weniger Ideen in einem Satz ausgedrückt werden, umso eher wird sich der Leser daran erinnern.

Unterteilen Sie Ihren Text in kurze Absätze. Vermitteln Sie darin jeweils nur ein Konzept oder einen Aspekt. Versehen Sie diese Absätze mit prägnanten Überschriften. Damit leiten Sie Ihren Leser von oben bis unten durch den Text und bieten einen logischen Übergang zwischen den Absätzen.

2 – Nehmen Sie Rücksicht auf die Stimmung und den Zeitaufwand Ihrer Leser

Es gibt kaum etwas Schöneres, als sich nach einem langen Arbeitstag zu Hause in einen Vertrag zu vertiefen oder umfangreiche Produktbeschreibungen zu vergleichen. Oder etwa nicht? Junge Leute schalten aus gutem Grund Latenight-Comedyshows ein, um sich zu informieren: Viele halten sie für eine glaubwürdige Quelle – und sie sind deutlich unterhaltsamer als herkömmliche Nachrichtensendungen. Es lohnt sich, dies beim Texten zu berücksichtigen. Versuchen Sie, schwer verdauliche, langweilige und vorhersehbare Inhalte in einen fesselnden Text zu verwandeln.

Die Menschen lesen im Durchschnitt nur 60 % eines Onlineartikels. Kommen Sie also schnell auf den Punkt. Erstaunlicherweise teilen Internetnutzer sechs von zehn Artikeln, ohne sie vorher durchgelesen zu haben – ein entscheidendes Argument dafür, etwas Mühe in interessante Schlagzeilen und Teaser zu stecken.

3 – Meinen Sie mich?! – Die Zielgruppe ist wichtig

Es ist sehr wichtig zu wissen, wen Sie ansprechen und die Sprache demgemäß anzupassen.

Aber hüten Sie sich vor Fachjargon. Er kann nützlich sein, wenn Sie zeigen möchten, dass Sie mit einem komplizierten Thema oder Ablauf vertraut sind. Falsch angewendet wird er jedoch genau das Gegenteil des gewünschten Effekts bewirken. Wie Ann Handley, die Autorin von „Everybody Writes“,  sagt: „Halten Sie es einfach, denn niemand wird sich je darüber beschweren, dass Sie in klaren und leicht verständlichen Worten sprechen.“

4 – Schreiben Sie gut, schreiben Sie häufig.

Übung macht den Meister. Gutes Schreiben ist da keine Ausnahme. Untersuchungen aus der Welt des Bloggens haben gezeigt: Je häufiger Sie etwas veröffentlichen, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Zahl der Blog-Abonnenten steigt. Aber bevor Sie in einen Blogging-Rausch verfallen, sollten Sie dafür sorgen, dass jemand Ihre Texte prüft. Eine andere Person zu bitten, einen kritischen Blick auf Ihren Text zu werfen, hat zwei Vorteile: Es hilft, Fehler zu vermeiden und verhindert, dass sich schlechte Schreibgewohnheiten einschleichen.

5 – 注意 !!!

Wenn Ihr Text in andere Sprachen übersetzt werden soll, bedenken Sie, dass unterschiedliche Lesbarkeitskonzepte gelten. Ohne einen qualifizierten Übersetzer, der die genaue Entsprechung in der Zielsprache findet, kann es bei Wortspielen, Redewendungen und Metaphern zu peinlichen Fehltritten kommen. Verzichten Sie dennoch nicht komplett auf diese stilistischen Feinheiten, denn sie machen Sprache interessant.

6 – Letzter Schritt: Prüfen Sie die Lesbarkeit Ihres Textes.

Ideal wäre es natürlich, wenn ein professioneller Lektor Ihren Text prüft. Die Aufgabe eines Lektors besteht darin, durch Überarbeiten von Stil, Ton und Terminologie Ihren Text perfekt zu machen. Aber es gibt auch zahlreiche Onlinelösungen, die Ihnen helfen können.

Eine praktische Online-App für englische Texte ist readable.io. Sie prüft die Satzlängen und markiert Wörter, die schwer zu lesen sind. Streichen Sie unnötige Inhalte, um optimale Lesbarkeit zu erreichen und lassen Sie dann Ihre endgültige Punktzahl berechnen. Sie haben einen Warnhinweis für eine Feuerlöschdecke geschrieben, der nur mit Hochschulabschluss verständlich ist? Wiederholen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich in Englisch und damit aus englischsprachiger Perspektive geschrieben. Glücklicherweise gibt es für viele Sprachen Lesbarkeitsalgorithmen. Der Coleman-Liau Index funktioniert für die meisten europäischen Sprachen. Die Wiener Sachtextformel wurde speziell für Deutsch entwickelt, während textanalyse-tool.de den Flesch-Wert verwendet. LIX ist in den skandinavischen Ländern sehr beliebt.

Sprache ist eine Kunst

Und zu guter Letzt: Sprachvorlieben können sehr verschieden sein, deshalb sind diese Tipps keine goldenen Regeln, die immer und in jedem Fall eingesetzt werden können. Es war der Versuch, komplexe Sprache allzu sehr zu vereinfachen, der Paul Romer bei der Weltbank in Schwierigkeiten gebracht hat. Seine Forderung nach Klarheit ebenso wie die „und“-Regelung wurden als zu radikal angesehen: Er musste von seinem Posten zurücktreten.

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