Eine wichtige 
 Änderung im 
 AP Stylebook

Interessantes über das neueste Stylebook der amerikanischen Presseagentur Associated Press

Seit Jahren haben sich Redakteure die Köpfe zermartert, wie man transgeschlechtliche Menschen oder solche, die sich weder als männlich noch als weiblich definieren, angemessen anredet.

Als jedoch der ehemalige Soldat Bradley Manning im Jahr 2013 einen offenen Brief aus dem Gefängnis schrieb, trat die Problematik aus den Tiefen der Redaktionen an die breitere Öffentlichkeit. Bradly Manning, der zu 35 Jahren Haft verurteilt worden war und in einem Militärgefängnis für Männer einsaß, schrieb: „Mein Name ist Chelsea Manning. Ich bin weiblich.“

Kurz nachdem der Brief veröffentlicht wurde, gab die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) eine Erklärung ab, wie AP Journalisten über Manning berichten sollten. Sie lautete: „Associated Press wird künftig Private Chelsea E. Manning und weibliche Pronomen für die Soldatin verwenden, die früher als Bradley Manning bekannt war, ihrem Wunsch gemäß, als Frau zu leben.“

Diese Entscheidung löste zahlreiche Diskussionen über die angemessene Ansprache und Verwendung von Personalpronomen aus. Jetzt geht die AP mit ihrer neuesten Aktualisierung des AP Stylebook einen Schritt weiter. Die neueste Ausgabe dieser „Sprachbibel“ enthält einige beachtenswerte, fundamentale Änderungen, Aber was ist daran so bedeutungsvoll?

Das englische „they“ – vom Pluralpronomen zum geschlechtsneutralen Singularpronomen

Letzte Woche kündigte AP auf der American Copy Editors Society (ACES)-Konferenz in St. Petersburg, Florida, an, dass die neue Ausgabe empfehlen wird, in „begrenzten Fällen“ das Pluralpronomen „they“ als singulares Personalpronomen zu verwenden. Obwohl die neue Ausgabe erst am 31. Mai erscheinen wird, ist diese Änderung nach Angaben von AP sofort wirksam:

In Berichten über Menschen, die sich weder als männlich noch weiblich identifizieren oder darum bitten, nicht geschlechtsspezifisch (he/she/him/her) angesprochen zu werden: Verwenden Sie den Namen der Person anstelle eines Pronomen oder formulieren Sie den Satz auf andere Weise um, wann immer möglich. Wenn die Verwendung eines Personalpronomens (they/them/their) wesentlich ist, erklären Sie in dem Text, dass die Person ein geschlechtsneutrales Pronomen bevorzugt. Achten Sie darauf, dass die Formulierung nicht auf mehr als eine Person verweisen kann …

In seinem Leitfaden für die Verwendung von Pronomen aus dem Jahr 2013 hatte AP ein wichtiges Detail außer Acht gelassen: Der Eintrag berücksichtigte keine Menschen, die sich nicht als er/sie bezeichnen. Seitdem stand das Thema auf der Agenda eines jeden ACES Jahrestreffens. Mit dem neuen Styleguide wurde jetzt mehr Klarheit geschaffen – und er akzeptiert und reflektiert die sprachlichen Gepflogenheiten des Alltags.

„Every student eats their lunch“

„They“ im Singular ist erheblich inklusiver als die Verwendung von „he“, mit der die männliche Form als Standard gesetzt wird. „Everybody eats their lunch“ und „every student eats their lunch“ sind jetzt gleichermaßen korrekt. „They“ kann zudem nicht-binäre Menschen umfassen.

Wer dies für einen allzu mutigen Schritt hält, sollte bedenken, dass im Englischen „you“ sowohl im Singular als auch im Plural verwendet wird – eine Änderung, die sich im Laufe der Jahre durchsetzte und frühere Pronomen wie thee, ye und thou als Kuriosität in staubige Geschichtsbücher verbannte. Heute ist niemand mehr über die duale Nutzung von „you“ verwirrt.

Die Entscheidung ist nur ein Teil eines größeren Übergangs. Lange bevor AP dies absegnete, war das Singularpronomen „they“ Bestandteil der Styleguides vieler amerikanischer Zeitschriften, zum Beispiel der Washington Post. Sehr zum Missfallen der Grammatikpuristen war „they“ bereits damals in der gesprochenen Sprache weit verbreitet, um plumpe „er oder sie“-Formulierungen zu vermeiden (zum Beispiel: „Anyone who wants help with his or her homework should raise his or her hand now, please“).

„Wir betonen, dass in der Regel Umschreibungen möglich sind“, erklärte Paula Froke, Leitende Redakteurin des AP Stylebook auf der Website der ACES copydesk.org. Es ist nach wie vor besser, den Vornamen der Person als Pronomen zu verwenden, aber selbst dann sollte man etwas wie ‚Chris ist transgeschlechtlich und wird als they angesprochen‘ hinzufügen.

Einigen gehen die Änderungen im AP Styleguide nicht weit genug. Der Blog The Bustle argumentiert: „Es ist wichtig anzuerkennen, dass es eine entkräftende Wirkung hat, wenn man sagt, dass Transgender bestimmte Pronomen ‚bevorzugen‘. Sie ‚bevorzugen‘ keine bestimmten Pronomen, sondern verwenden diejenigen, die ihrer Identität entsprechen. Daher sollte man fragen ‚Welches Pronomen verwenden Sie?‘ und nicht ‚Welches Pronomen bevorzugen Sie?‘“

Von den meisten wurde die Änderung jedoch begrüßt. „Endlich“, kommentierte die Columbia Journalism Review, und die überwältigende Mehrheit der Trans-Community-Mitglieder feierte auf Twitter, dass sie nun nicht mehr ignoriert werden.

Was bedeutet das für Sie?

Aber was bedeutet das konkret für englischsprachige Texte? Vermutlich werden die meisten bereits den zweideutigen Singular „they“ in der gesprochenen Sprache verwenden (z. B.: „Someone left their keys on the chair, I wonder if they will come grab them before we close the bar.“) Aber diese neue Regelung macht es klarer, wie man sich auf nicht-binäre Menschen bezieht, die keine geschlechtsspezifischen Pronomen verwenden, und ermutigt Sprachprofis dazu, dem zu folgen.

Es sollte jedoch nicht ohne Erläuterung verwendet werden, zum Beispiel in Verträgen oder Rechtsdokumenten, um jegliche Form von Missverständnissen zu vermeiden. Der AP Styleguide erwähnt „Umformulierung ist normalerweise möglich und immer vorzuziehen. Klarheit hat höchste Priorität.“

Die Änderung entspricht nicht einer vollständigen Anerkennung, ist aber ein wichtiger Schritt hin zur offiziellen Akzeptanz eines geschlechtsneutralen Pronomens in der englischen Sprache. Letztendlich ist dies auch eine politische Entscheidung. Unzählige Journalisten und deren Organisationen auf der ganzen Welt folgen in ihren Texten den Richtlinien der AP. Da Sprache Wirklichkeit schafft, könnte dies dazu führen, dass sich Einstellungen ändern und Sprache weniger diskriminierend wird. In seiner 17. Auflage setzt AP ein Zeichen gegen Homophobie und Heteronormativität und für Transparenz und Integration.

Dennoch könnte die Änderung für Leser neu und ungewöhnlich sein. Deshalb ist es besonders wichtig, kurz zu erklären, wie der Singular „they“ verwendet wird, wenn er sich auf eine nicht-binäre Person bezieht. Und falls man sich nicht vorstellen kann, dass sich jemand beschweren und protestieren würde, wenn man „they“ benutzt, dann werfen Sie einen Blick auf diesen Klageruf aus dem 17. Jahrhundert über die „böse Gewohnheit“, „you“ im Singular zu verwenden.

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