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Gig
Economy

Übersetzung und die Gig Economy: Wie Technologie den Markt umkrempelt

Die Arbeitsmittel, die dem freiberuflichen Übersetzer zur Verfügung stehen, haben sich durch technologischen Fortschritt stetig weiterentwickelt. Dank Internet sind die Zeiten vorbei, in denen der Übersetzer mit Wörterbuch und Enzyklopädie als wichtigsten Informationsquellen gearbeitet hat.

Aber es sind nicht nur die Arbeitsmittel, die sich verändern – das Beauftragungsmodell hat sich insgesamt gewandelt. Sprachexperten wie Übersetzer, Lektoren, Voiceover-Spezialisten und Texter sind viel flexibler als früher und haben mehr Kontrolle über das, was sie tun. Diese veränderten Rahmenbedingungen können neuen Technologien und dem Aufstieg der Gig Economy zugeschrieben werden. Worin bestehen die Vorteile und Risiken dieser neuen Arbeitsform für freiberufliche Sprachexperten?

Was ist die Gig Economy?

Gig Economy bezeichnet einen Teil des Arbeitsmarkts, bei dem Kleinaufträge oder Kurzzeitjobs, sogenannte Gigs, an Freiberufler vergeben werden. Die Marktteilnehmer kommen aus allen möglichen Branchen, angefangen bei Installateuren über Elektriker und Kurzzeitvermietern bis hin zu Taxi- und Kurierfahrern und Übersetzern. Je nach eigener Einstellung und vielleicht auch Erfahrung bedeutet die mit der Gig Economy einhergehende Flexibilität entweder mehr Freiheit und Kontrolle oder weniger Stabilität und Schutz.

Translation Animation

Sprachexperten akquirieren Aufträge über digitale Plattformen.

Heutzutage ziehen Übersetzer ihre Aufträge über digitale Plattformen an Land, die Übersetzer und potenzielle Auftraggeber zusammenbringen. Normalerweise geschieht dies über ein Sprachdienstleistungsunternehmen, das als Vermittler fungiert. Die Übersetzer können ihre Online-Profile und Kalender jedoch selbst verwalten, haben eine bessere Kontrolle über ihre Zeitplanung und können frei entscheiden, welche Aufträge sie annehmen. Sprachplattformen wie LanguageWire bedeuten eine Zeitersparnis, außerdem fällt der mit der Auftragsakquise verbundene finanzielle Aufwand weg. Gleichzeitig werden Tools bereitgestellt, die die Zusammenarbeit mit den Kunden vereinfachen. Diese Treiber von Vernetzung, Kontrolle und Kosten tragen in vielen Branchen zu einer Verlagerung zum Gig Business bei.

Wer aus freien Stücken die Selbstständigkeit wählt, ist glücklicher

Jeder hat andere Beweggründe, warum er oder sie sich der Gig Economy anschließt. Je nachdem, welches Einkommen aus Gig-Aufträgen erzielt wird (Haupteinkommensquelle oder Nebeneinkünfte) und welche Umstände dazu geführt haben, sich der Gig Economy zuzuwenden (freie Entscheidung oder Notwendigkeit), lassen sich die Auftragnehmer in vier Kategorien unterteilen:

Segmente selbstständig Tätiger

McKinsey hat vor kurzem die Gruppe der selbstständig Tätigen untersucht und diese in vier Kategorien unterteilt: solche, die ihre Selbstständigkeit frei gewählt haben, Gelegenheitsverdiener, solche, die wider ihren Willen selbstständig sind, und solche, die finanziell unter Druck sind. Übersetzer gehören in der Regel zur Kategorie derjenigen, die ihre Selbstständigkeit aus freien Stücken gewählt haben. Ihre Haupteinkommensquelle sind typischerweise Gig-Aufträge, wohingegen andere Selbstständige mit solchen Aufträgen möglicherweise nur Nebeneinkünfte erzielen.

Zu dieser Kategorie zu gehören, hat seine Vorteile. Wer seine Selbstständigkeit frei gewählt hat, unabhängig von Branche, Region und Altersgruppe, ist zufriedener und produktiver. 162 Millionen Menschen allein in Europa und den USA haben der traditionellen Arbeitsweise abgeschworen und eine Karriere in der Gig Economy gestartet. Höheres Verdienstpotenzial im Vergleich zu vielen festen Stellen ist einer der wichtigsten Aspekte, aber auch nicht-monetäre Faktoren stehen auf der Liste der Pluspunkte ganz oben.

Passende Kompetenzen

Einer der größten Vorteile der Gig Economy für Sprachdienstleistungsunternehmen und Endkunden ergibt sich aus der Nutzung digitaler Plattformen für die Echtzeitabstimmung von Jobs und Kompetenzen. Übersetzerprofile können mit Fachgebieten, Preisen und Bewertungen angereichert werden, damit Auftraggeber in Echtzeit den passenden Übersetzer für einen bestimmten Job finden. Unternehmen wie Uber, TaskRabbit und Airbnb wenden allesamt ähnliche Methoden für den Kompetenzabgleich an, um Kunden und Anbieter effizient zusammenzubringen. Mit einem guten Kompetenzabgleich in Echtzeit können Outsourcing-Prozess und -Qualität erheblich verbessert werden und dem Kunden wird insgesamt ein besserer Service angeboten.

Missbrauch

Technologische Fortschritte können ebenso viele Probleme verursachen wie lösen, zumal an der (digitalen) Wertschöpfungskette so viele Akteure beteiligt sind. Herausforderungen wie der Schutz vor Fake-Profilen und Online-Scammern, die Beachtung geltender Gesetze und Vorkehrungsmaßnahmen sowie der Versuch, eine faire und gerechte Bezahlung für alle Auftragnehmer zu gewährleisten, halten die Gig Economy auf Trab, während sich die Technologie ständig weiterentwickelt.

Die Grenze zwischen Auftraggeber-/Auftragnehmerverhältnis und Beschäftigungsverhältnis ist nicht immer klar zu ziehen und einige Unternehmen bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Im Oktober 2017 scheiterte Uber mit seiner Berufung gegen ein Urteil des Arbeitsgerichts, wonach seine britischen Fahrer als Beschäftigte und nicht als Auftragnehmer zu betrachten sind und somit Anspruch auf bezahlten Urlaub, bezahlte Pausen und Mindestlohn haben.

Vor Automatisierung sicher

Berufe, die vor Automatisierung sicher sind, haben gute Chancen, in der Gig Economy langfristig zu bestehen. Während heftig darüber diskutiert wird, ob und wann maschinelle Übersetzung den menschlichen Übersetzer ablösen wird, besteht die große Herausforderung für Übersetzer und all diejenigen, die von den Vorzügen der Gig Economy profitieren, darin, sich den Automatisierungstendenzen zu entziehen, d. h. Kompetenzen zu pflegen und zu entwickeln, die nicht automatisiert werden können. Übersetzer, die sich vor Automatisierung schützen und zukunftsfähig bleiben wollen, werden sich weiterqualifizieren oder ihr Leistungsspektrum diversifizieren, sofern nötig, und weiterhin auf der digitalen Welle reiten.

Fazit

Die Gig Economy ist ein logisches, unvermeidliches Produkt der digitalen Disruption, das viele Chancen, aber auch nicht wenige Herausforderungen mit sich bringt. Die Realität der Gig Economy sieht momentan so aus, dass dieser Teil des Arbeitsmarkts im digitalen Disruptionsmodell von McKinsey irgendwo zwischen „Detectable“ (schwache Anzeichen erkennbar) und „Clear“ (Herausbildung eines allgemein akzeptierten Modells) angesiedelt ist.

Disruption macht Aufbruch zu neuen Ufern unvermeidlich

Die Standardisierung von Praktiken durch gesetzliche Regelung macht es möglich, dass sich das Gig-Modell als bewährtes und allgemein akzeptiertes Geschäftsmodell etabliert. Es bleibt abzuwarten, ob es von der kritischen Masse angenommen und ein hoher Reifegrad erreicht wird. Das Gig-Modell wird sich in den verschiedenen Branchen unterschiedlich schnell durchsetzen – bei Übersetzern und Sprachdienstleistungsunternehmen ist dieses Modell bereits das „neue Normal“.